{"id":23323,"date":"2020-03-11T09:58:07","date_gmt":"2020-03-11T08:58:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.itm.nrw\/2020\/03\/11\/journalism-and-law-a-report\/"},"modified":"2024-01-18T11:01:22","modified_gmt":"2024-01-18T10:01:22","slug":"journalismus-und-recht-2020-ein-erfahrungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.itm.nrw\/en\/journalismus-und-recht-2020-ein-erfahrungsbericht\/","title":{"rendered":"Journalismus und Recht 2020 \u2013 Ein Erfahrungsbericht"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWer Angst vor Arbeit hat, sollte kein Journalist werden!\u201c Diese Bemerkung der ZDF-Journalistin Britta Hilpert sollte sich f\u00fcr die Teilnehmenden der Zusatzausbildung \u201eJournalismus und Recht\u201c am Ende einer intensiven Woche als \u00e4u\u00dferst treffend herausstellen.<\/p>\n<p><em>Ein Bericht von Hendrik Risthaus<\/em><\/p>\n<p>In der Woche vom 2. bis zum 6. M\u00e4rz fand am ITM bereits zum zwanzigsten Mal die bundesweit einmalige Journalistenausbildung f\u00fcr Juristen statt. Neben spannenden Vortr\u00e4gen renommierter Referentinnen und Referenten erm\u00f6glichte das Blockseminar in praktischen \u00dcbungen den 14 jungen Teilnehmenden aus ganz Deutschland, das journalistische Handwerkszeug zu erlernen.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Einf\u00fchrung durch <strong>Prof. Dr. Thomas Hoeren<\/strong> waren die rhetorischen F\u00e4higkeiten der Anwesenden gefordert. Unter Zeitdruck mussten sie 15-min\u00fctige Vortr\u00e4ge zu ausgew\u00e4hlten Themen vorbereiten und pr\u00e4sentieren. Die kritische Analyse durch Prof. Hoeren, der auch ausgebildeter Rhetoriktrainer ist, zeigte unter anderem auf, dass sich f\u00fcr die Strukturierung eines Vortrags auch heutzutage noch Ciceros Redeaufbau anbietet.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend gab <strong>Dierk Schlosshan<\/strong>, Rechtsanwalt und ehemaliger Referent in der Abteilung Internationale Angelegenheiten beim ZDF, einen \u00dcberblick \u00fcber das Presserecht. Dabei wurden die Rechtsgrundlagen beleuchtet, die f\u00fcr Arbeitst\u00e4tige in den Medien relevant sind. Zudem wurden aktuelle F\u00e4lle wie das K\u00fcnast-Urteil, das H\u00f6cke-Urteil und das Ibiza-Video unter die Lupe genommen.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Joachim Jahn<\/strong>, Mitglied der Chefredaktion der NJW und ehemaliger Redakteur im Wirtschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gab daraufhin einen spannenden Einblick in den Printjournalismus in Tageszeitungen und Fachzeitschriften. Dabei richtete Prof. Jahn das Augenmerk auf die richtige Ausdrucksweise. Er warnte die Anwesenden vor Formulierungen, die f\u00fcr Juristen \u00fcblich sind und dem Leser nicht selten den Lesefluss erschweren. Um das Gelernte zu vertiefen, konnte sich die Gruppe daran versuchen, eine misslungene Pressemitteilung zu \u00fcberarbeiten.<\/p>\n<p>Wie die Arbeit in der Marketingabteilung einer Gro\u00dfkanzlei aussieht, wurde den Teilnehmern am Dienstagmorgen von <strong>Jan Be\u00dfling<\/strong>, Leiter Marketing und Kommunikation bei Oppenhoff &amp; Partner, n\u00e4hergebracht. In praktischen \u00dcbungen vermittelte er der Gruppe, was man eigentlich alles ben\u00f6tigt, um sich als Anwalt selbst\u00e4ndig zu machen. In einer Redaktionskonferenz erfuhren die Seminaristen, welche tagesaktuellen Themen sich anbieten, um durch gute Pressearbeit auf die eigene Kanzleit\u00e4tigkeit aufmerksam zu machen. Auch konnten sich die Anwesenden im Verfassen einer Pressemitteilung f\u00fcr eine Gro\u00dfkanzlei \u00fcben.<\/p>\n<p>\u00dcber die beruflichen M\u00f6glichkeiten eines Juristen in den Medien referierte <strong>Andreas Janning<\/strong>, ehemaliger WDR-Redakteur mit Schwerpunkt Recht und Justiz. Zun\u00e4chst versorgte er jeden Teilnehmer mit einer konzentrationssteigernden Portion Traubenzucker und einem Poster der \u201eSendung mit der Maus\u201c, die vermutlich bei dem ein oder anderen Wissbegierigen schon in jungen Jahren eine Faszination f\u00fcr den Journalismus ausgel\u00f6st hat. Mit frischer Aufmerksamkeit konnte die Gruppe dann den Beispielen f\u00fcr gelungene Justizberichterstattung im Fernsehen folgen. Weiter unterstrich Herr Janning die Wichtigkeit der Praxiserfahrung und ermutigte jeden Anwesenden, sich fr\u00fchestm\u00f6glich neben dem Studium journalistisch zu bet\u00e4tigen.<\/p>\n<p>\u201eSag es einfach, kompliziert kann jeder\u201c, ermahnte <strong>Karin Istel<\/strong>, freie Journalistin und ehemalige Redakteurin, die H\u00f6rerschaft. Sie erl\u00e4uterte, auf welche Stilregeln die jungen Juristinnen und Juristen achten m\u00fcssten, wenn sie einen journalistischen Aufsatz verfassen. Dabei wies sie auf ein Problem der Juristen hin: \u201eSie wissen einfach zu viel!\u201c Der juristisch kundige Verfasser d\u00fcrfe nicht zu viele Kenntnisse der Leser voraussetzen. Auch warnte sie vor stilistisch unsch\u00f6nen Formulierungen, woran sich lebhafte Diskussionen \u00fcber \u201ebesondere Privilegien\u201c und die korrekte Verwendung von \u201eanscheinend\u201c und \u201escheinbar\u201c anschlossen.<\/p>\n<p>Nachdem <strong>Karin V\u00f6lker<\/strong>, Redakteurin der Westf\u00e4lischen Nachrichten in M\u00fcnster, die Anwesenden in die Technik der Gerichtsreportage eingef\u00fchrt hatte, ging es am Folgetag f\u00fcr die jungen Juristinnen und Juristen in die M\u00fcnsteraner Gerichte. Der stellvertretende Gerichtssprecher des Landgerichts, <strong>Dr. Gregor Saremba<\/strong>, stellte zun\u00e4chst das Berufsbild eines Gerichtssprechers vor. Sodann besuchten die Teilnehmer verschiedene Verhandlungen, um dazu eine Gerichtsreportage zu verfassen. Neben zwei Verfahren am Landgericht \u2013 einem millionenschweren Verfahren wegen Untreue und einem Verfahren wegen eines VW-Dieselmotors \u2013 wurde \u00fcber Prozesse aus dem Amtsgericht berichtet: ein Insolvenzprozess; eine Strafsache, bei der ein junger Mann einen Schlagring mit sich gef\u00fchrt hatte und ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen erh\u00f6hter Geschwindigkeit. Im Anschluss daran besprach Karin V\u00f6lker die teilweise sehr unterschiedlichen Reportagen ausf\u00fchrlich und kam zum Ergebnis, dass sich manchmal auch ein auf den ersten Blick unspektakul\u00e4res Verfahren f\u00fcr eine interessante Gerichtsreportage anbieten kann.<\/p>\n<p><strong>Anke Zimmer-Helfrich<\/strong> und <strong>Ruth Schr\u00f6dl<\/strong>, (Chef-)Redakteurinnen im C.H.Beck-Verlag, stellten am Donnerstag das Berufsbild einer Lektorin und das einer Redakteurin vor. Anschlie\u00dfend lag es an den Teilnehmern, eine eigene juristische Fachzeitschrift zu konzipieren. Um eine zeitgem\u00e4\u00dfe Zeitschrift zu entwickeln, lie\u00dfen sich die jungen Juristinnen und Juristen bei dem Konzept der <em>data<\/em>, der <em>ITI<\/em> und der <em>telos<\/em> einige spannende Ideen einfallen.<\/p>\n<p>Welche Schwierigkeiten die Staatsanwaltschaft bei der Pressearbeit zu meistern hat, brachte <strong>Dr. Ina Holznagel<\/strong>, ehemalige Oberstaatsanw\u00e4ltin und jetzt Referatsleiterin im Justizministerium NRW, der Gruppe n\u00e4her. Nachdem sie die Rechtsgrundlagen dargelegt hatte, durften sich die Anwesenden an kniffligen Presseanfragen erproben. Die Frage, ob die Nationalit\u00e4t von Tatverd\u00e4chtigen \u00f6ffentlich genannt werden sollte, lie\u00df die Seminaristen dann rege diskutieren.<\/p>\n<p>Ein gemeinsames Abendessen im Mocca d\u2019Or erm\u00f6glichte es der Gruppe, die Erlebnisse der vergangenen Tage in einer etwas ver\u00e4nderten Atmosph\u00e4re noch einmal zu besprechen.<\/p>\n<p>Am Freitag zeigte <strong>Rudolf Porsch<\/strong>, stellvertretender Direktor der Axel-Springer-Akademie, m\u00f6gliche Wege in den Journalismus auf. Dabei machte er den Teilnehmern klar, dass man nicht nur in der BILD-Redaktion sein ganzes Herzblut in den Job hineinstecken m\u00fcsse. Des Geldes wegen sei ein Beruf im Journalismus jedenfalls nicht attraktiv: \u201eWarum soll ein Beruf, der Spa\u00df macht, auch noch gut bezahlt sein?\u201c Allerdings machte Herr Porsch den Teilnehmern den Beruf des Journalisten durch seine vielen Erlebnisse und die fesselnden Blicke hinter die Kulissen der BILD-Zeitung wieder schmackhaft.<\/p>\n<p>Zum Abschluss der spannenden Woche gew\u00e4hrte <strong>Britta Hilpert<\/strong>, Leiterin des ZDF-Auslandsstudios Wien, den Teilnehmern einen interessanten Einblick in das Berufsleben einer Journalistin im Fernsehen. Anhand von Praxisbeispielen aus dem TV zeigte sich, wie das Recht dem Journalisten helfen, ihn aber auch in seiner Arbeit behindern kann. Ob auf AfD-Kundgebungen oder bei der Recherchearbeit f\u00fcr die Aufdeckung von Betrug mit EU-Subventionen in der Slowakei \u2013 das Recht war allgegenw\u00e4rtig und f\u00fcr die Journalistin Fluch und Segen zugleich.<\/p>\n<p>Mit der Verleihung der Zertifikate endete f\u00fcr die jungen Teilnehmenden schlie\u00dflich eine arbeitsintensive, aber zugleich \u00e4u\u00dferst lehrreiche Woche. Die praxisnahen Einblicke in die Schnittstelle von Journalismus und Recht lie\u00dfen die Angst vor der journalistischen Arbeit schwinden und die Teilnehmenden mit neuen Eindr\u00fccken und voller Tatendrang ermutigt nach Hause fahren.<\/p>\n<p><em>Das ITM bedankt sich herzlich bei Dierk Schlosshan, Prof. Dr. Joachim Jahn, Jan Be\u00dfling, Andreas Janning, Karin V\u00f6lker, Karin Istel, Dr. Gregor Saremba, Anke Zimmer-Helfrich, Ruth Schr\u00f6dl, Dr. Ina Holznagel, Rudolf Porsch und Britta Hilpert.\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer Angst vor Arbeit hat, sollte kein Journalist werden!\u201c Diese Bemerkung der ZDF-Journalistin Britta Hilpert sollte sich f\u00fcr die Teilnehmenden der Zusatzausbildung \u201eJournalismus und Recht\u201c am Ende einer intensiven Woche als \u00e4u\u00dferst treffend herausstellen. Ein Bericht von Hendrik Risthaus In der Woche vom 2. bis zum 6. 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